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Fazit: Den KI-Hype entschleunigen und de-intensivieren!

Thomas Ristow

Insofern wir als Die Linke in Rhein-Erft angesichts der enormen Potentiale unseres Reviers in dem Bau der Hyperscaler-Rechenzentren überhaupt einen möglichen Beitrag zum Strukturwandel sehen und erkennen könnten bzw. wollen, bleiben wir aufgrund der von Akteuren wie das Land NRW, RWE, Microsoft und Entscheidungsträger:innen auf kommunaler Ebene vorschnell betriebenen digitalen Transformation unserer Ökonomie mit Hilfe des Aufbaus von Hyperscaler-Kapazitäten durch Tech-Kapitalisten dazu verpflichtet, weiterhin die Entwicklung aufmerksam und kritisch zu verfolgen, um Auswege aus dieser Sackgasse zu erkennen und ggf. Proteste von Betroffenen angesichts der mit diesem Wandel verbundenen negativen Implikationen ernst zu nehmen und ggf. zu unterstützen. 

Denn die Schäden, die die KI-Euphorie und die mit ihr einhergehende Vielzahl allzu rosiger Versprechungen und fehlenden Gefahrenbewusstseins auslösen, sind immens. [i] Materielle Ungleichheit wird verstärkt und die vermeintliche Berechenbarkeit der Welt und der sie bewohnenden Menschen fordert unser solidarisches und freiheitlich-egalitäres Menschenbild heraus. Insbesondere stehen wir deshalb vor der Aufgabe im Umgang mit dieser Technologie und den mit ihr in die Welt gesetzten Möglichkeiten, Menschen und Kollektive zu steuern, zu manipulieren, zu sortieren und auszusortieren, [ii] ein Gegengewicht zu schaffen, um Aufmerksamkeit und Resistenzen gegenüber diesen Gefahren des mit der KI verbundenen Weltbilds, das Pluralismus und Solidarität als rückwärtsgewandt bzw. als Schwäche betrachtet, bei unseren Mitmenschen zu entwickeln. Folglich wollen wir vor Ort, wenn denn möglich, einen produktiven, weil sozialeren, weniger entfremdenden, weniger beschleunigten, weniger intensiven Umgang mit dieser Technologie und ihrer Infrastruktur finden, indem wir die Bedürfnisse der Menschen vor Ort und ihre Fragen konsequent in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen, an kommunalen Konzepten zu Digitalparks und Digitalstrategien konstruktiv mitarbeiten, aber auch dort kritisieren und intervenieren, wo der Großkonzern den Menschen vorgezogen wird.

Wie wichtig dies ist und zukünftig werden wird, zeigt die jüngste Entwicklung, dass US-Sicherheitsbehörden Proteste gegen die rasante KI-Technologie-Entwicklung als Anti-Tech-Extremismus einordnen und etwa in den Sozialen Medien überwachen bzw. überwachen lassen wollen, um Einfluss auf das öffentliche Diskussionsklima für den Bau von Hyperscalern und das KI-Projekt nehmen zu können. Dies ist in jedem Fall als Indiz dafür zu werten, dass, um es mit den Worten von Gavin Mueller zu sagen, „unter denen, die nicht über astronomischen Reichtum verfügen, (…) der technologische Optimismus schwindet. Wir wenden uns zunehmend gegen die Technik, die unsere Arbeit und Freizeit durchdringt, und ich glaube, dass darin machtvolle politische Möglichkeiten liegen – aber nur, wenn diese Perspektive an eine umfassendere Kritik des sozialen und ökonomischen Systems anschließt, in dem wir leben: dem Kapitalismus.“[iii]


[i] Selbst Pabst Leo XIV. veranlasste die KI-Euphorie in seiner ersten Enzyklika Magnifica humanitas – über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz, Rom 15. Mai 2026, zu dieser sich mit schwindelerregendem Tempo vollziehenden technologischen Entwicklung Stellung zu beziehen: „Wir durchleben eine rasante Übergangsphase, einen ‚Epochenwandel‘, in dem – während einige um die Zukunft der neuen Technologien wetteifern und andere sich eingehend mit ihnen auseinandersetzen – die meisten Menschen in einer Art Wartestellung verharren, aus der Ferne beobachten und einfach hoffen, dass alles gut gehen wird.“ (Einleitung, 6. Abschnitt) „Jede technische oder wirtschaftliche Entscheidung wird zu einem Ort geistlicher Unterscheidung, zu einer Gelegenheit, um zu prüfen, ob die Fortschritte der KI Räume für Gerechtigkeit und Teilhabe eröffnen oder Reichtum und Macht in den Händen einiger weniger konzentrieren. Ich lade dazu ein, einen klaren Blick auf die Lieferketten digitaler Produkte zu werfen, auf die Arbeitsbedingungen, die sich hinter unseren technischen Geräten verbergen, auf die Mechanismen, die von Manipulation und Krieg profitieren, und zugleich nach konkreten Wegen zu suchen, um Gerechtigkeit, Teilhabe und die Bewahrung der Schöpfung zu fördern. Die Hoffnung, die wir verkünden, kommt vom Himmel, um hier auf Erden etwas Neues entstehen zu lassen‘.“ (Schluss, Abschnitt 240) Auch wenn diese Stellungnahme angesichts der Tatsache, dass gerade die Geschichte der Katholischen Kirche mit Verletzungen der Menschenwürde und Machtmissbrauch verbunden ist, wie ein Fall von klassischer Projektion anmutet, bleibt doch die kritische Haltung gegenüber dem KI-Boom mehr als berechtigt.

[ii] Nicht nur von historischem Interesse ist die Verstrickung des Herstellers von Hollerithmaschinen zur Speicherung und Auswertung von Daten mithilfe von Lochkartensystemen, den Vorläufern moderner Computer, der Firma IBM, in die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands im Zusammenhang mit der so möglichen Automatisierung der vom Regime durchgeführten Volkszählungen mit der Erfassung von Menschen nach Kriterien wie Abstammung, Religion etc. und bei der Logistik des Transports und der Verwaltung der Internierten Menschen in den Konzentrationslagern, vgl. Edwin Black, 2001, IBM und der Holocaust, Berlin. Rainer Mühlhoff zeigt in seiner 2025 bei Reclam erschienen Monographie „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ auf, wie sich an dieser Affinität von autoritären Regimes oder eugenischen bzw. faschistischen Ideologien zu dieser nun weiterentwickelten Technik in Form der KI nichts geändert hat und weshalb ein kritisch-distanzierter Umgang mit dieser Technologie zwingend und unverzichtbar bleibt. – Auch die von Palantir entwickelte, in NRW eingesetzte KI-Software zur Überwachung und Verfolgung von Personen mithilfe von digitalen Zwillingen zu Personen ist eben kein „Ausrutscher“ oder gar ein Randphänomen von Künstlicher Intelligenz, sondern ihr Prototyp. KI dient der Realisierung der Phantasie der Exekutive von der lückenlosen Kontrolle und allwissenden Prognose des Verhaltens von Mitgliedern in unseren Gesellschaften.

[iii] Gavin Mueller, 2022, Maschinenstürmer. Autonomie und Sabotage, Hamburg, S. 15

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