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Ökologie und Nachhaltigkeit

Thomas Ristow

Bei der KI-Technologie mit ihrem Rückgrat Hyperscaler-Rechenzentren handelt es sich um einen extrem stromhungrigen und emissionsintensiven Wirtschaftssektor, der den weltweiten die ökologischen Grenzen unseres Planeten durch unsere Wirtschaft sowieso schon belastenden Material- und Energieverbrauch weiter massiv anheizt. So wird durch den Mehrbedarf der Rechenzentren das Mehr an Versorgung mit Strom aus regenerativen Energien, die über die im Bau befindliche Trasse „A-Nord“ ins Revier transportiert werden, aufgefressen – dieser Rebound-Effekt macht es damit erforderlich, den KI-Hype grundsätzlich in Frage zu stellen. Der Energiehunger der Hyperscaler muss auch aus Verbrauchersicht als nachteilig bewertet werden. Führt er doch zu höheren Strompreisen, Anschlussengpässen und steigenden Netzausbaukosten. Und er muss im Kontext der globalen ökologischen Krise, insbesondere der brisanten Erderwärmung, betrachtet werden. Erdöl, Gas und Kohle werden leider oft nach wie vor in den herrschenden Verhältnissen grünen Energieträgern als unter Ausblendung der Folgen für Klima, Mensch und Umwelt profitabler vorgezogen und so bedeutet Energienachfrage global meist auch ein mehr an Emissionen, selbst wenn die im Rheinischen Revier gelieferte Energie nachhaltig und klimaschonend erzeugt werden sollte und die Microsoft-Ansiedlung als grün-kapitalistisches Projekt gefeiert wird. [i]

Die Versorgungssicherheit mit erneuerbarer Energie war für Microsoft ursprünglich auch Teil ihrer Unternehmenspolitik, mit ambitionierten Klimazielen zu punkten, und ein Schlüsselargument bei der Entscheidung für die Region. Der dafür nötige Netzausbau und die Speisung aus erneuerbaren Energien wurden hierzulande entsprechend als Entwicklungssprung verkauft. Denn ein Netzausbau und die „harte“ Forderung nach erneuerbaren Energien durch Rechenzentren mit verlässlich hoher Grundlast könnten durchaus ein Beschleuniger für die Energiewende sein und Infrastruktur in den Städten und den angedachten Digitalparks verbessern, bzw. bereitstellen. Allerdings ist der mit der Umstrukturierung unseres Energiesystems notwendige rasche Aufbau von Speicherkapazitäten für erneuerbare Energie bisher gescheitert, so fand etwa unser Antrag vom 12.03.2025,[ii] mithilfe eines Pumpspeicherkraftwerks im Hambacher See dies vor Ort zu forcieren, keine Zustimmung, und der Umbau der örtlichen Verteilnetze kam wegen fehlender Investitionen der Westnetz AG unter der Ägide von Katherina Reiche nur schleppend voran.

Da gerade die KI-Technologie mit ihren Hyperscalern auf eine zuverlässig verfügbare Energieversorgung angewiesen ist, um Ausfallzeiten zu vermeiden und so die Kapitalauslastung zu optimieren, weicht Microsoft jüngst seine ursprünglichen Emissionsziele global auf. Sodass zu konstatieren ist, dass das grün-kapitalistische Projekt sich gerade wegen des Ausbaus der KI-Infrastruktur eben nicht gegen das fossil-kapitalistische Projekt durchsetzen wird. Mit Blick auf die globale Erderwärmung konstatiert Friedericke Karla Hildebrandt:

Die Internationale Energieagentur geht davon aus, dass Rechenzentren in den nächsten 5 Jahren bis zu 20-30 % des globalen Energiebedarfes ausmachen könnten. Und dieser Bedarf kann (und soll) nicht durch erneuerbare Energien gedeckt werden – stattdessen bedeutet der KI-Boom eine lukrative Zusammenarbeit von fossiler Industrie und Tech-Unternehmen: Mit der Planung neuer Rechenzentren hat Siemens Energy eine Warteliste für ihre Gasturbinen, die insbesondere in den USA eingesetzt werden, und selbst in Deutschland werden Rechenzentren mit Anschluss ans Gasnetz geplant. (…) Fossile Konzerne werden auch nicht müde, die Wichtigkeit von KI und ihre Unterstützung für den Ausbau von Rechenzentren zu betonen, und Tech-CEOs feiern die Trump-Regierung für seine Ablehnung von „climate-extremist“-Klimaschutzprogrammen. Eine unholy alliance, die eine eigentlich sterbende Industrie wiederbelebt, während die Welt sich munter auf 2,5 Grad+ zubewegt. Der Energiebedarf der aktuellen Modelle (= Rechenzentren, Anm. d. Verf.) ist so hoch, dass sie auch in anderer Eigentumsform und demokratisch kontrolliert nicht möglich sind. Das heißt, dass sie sich auch in Gemeineigentum nicht als öffentlicher Luxus eignen, sondern demokratisch kontrolliert heruntergefahren werden müssen.

Friedericke Karla Hildebrandt, 2026, KI enteignen, vergesellschaften, abschalten, in: Communia, 22.04.2026, Ss. 3-5.

Die Erderwärmung ist zur Erreichung der mit dem Ausbau der Rechenkapazitäten verfolgten Ziele als Kollateralschaden offensichtlich eingepreist.

Damit ist auch in dieser Hinsicht die hinter dem KI-Boom und dem nun auch hierzulande massiven Aufbau von Hyperscaler-Kapazitäten stehende Idee, dass der beschleunigte Ausbau der KI alternativlos ist, nicht mehr gestoppt werden kann, aber alle drängenden Menschheitsprobleme inklusive Armut und wachsende soziale Ungleichheit oder eben die sich ankündigende Klimakatastrophe lösen wird, desavouiert: Der so beschleunigte technologische Wandel verschärft nur die Situation, die durch unsere Profit-getriebene Ökonomie in der Vergangenheit erst entstanden ist, ganz abgesehen davon, dass die fehlende demokratische Kontrolle der Datenmonopolistinnen unsere Standards in Demokratie, Bildung und ethischen Grundsätzen zugunsten der Dominanzwünsche einer Oligarchenelite gefährdet.[iii]

Teil der Frage nach der Umweltverträglichkeit der Errichtung solcher Anlagen – jeweils ca. 20 ha Fläche werden benötigt – war auch die vom BUND vorgetragene Kritik an dem Flächenverbrauch solcher Anlagen, wenn sie eben nicht auf den Industriebrachen oder Tagebau-Restflächen erfolgt. Somit bleibt der „Flächenfraß“ ein weiteres dauerhaftes Manko dieser Ansiedlung.

Fazit: Sich im Rheinischen Revier am Akzelerationismus-Projekt der Tech-Oligarchinnen zu beteiligen, geschieht also überhastet, zu einem falschen Zeitpunkt und unüberlegt. Denn erst hätten die mit diesem technologischen Wandel verbundenen Gefahren allgemein und speziell auch bei unseren politischen Entscheidungsträger:innen erkannt und durch hinreichende Vorkehrungen gebannt worden sein müssen. Dies ist nicht geschehen. Also ist die Ansiedlung von Hyperscalern zu diesem Zeitpunkt nicht zu befürworten gewesen.

Die Entwicklung nun hier allein vor Ort im Nachhinein aufhalten zu wollen, ist illusorisch. Unsere Strategie kann es folglich nur sein, Schadensbegrenzung zu betreiben. Wir fordern deshalb von Microsoft:

  • Die Nutzung energiesparsamer Hardware ist weiterhin zu garantieren, eine verbindliche Zusicherung zur Nutzung ökologischen Stroms, den Verzicht auf eigenständig betriebene Gasturbinen (auch H+ ready) oder gar (wie in den USA von Microsoft geplant) auf Mini-AKWs in Eigenbau inklusive.

  • Ebenso muss die Versorgungssicherheit der Bürger:innen jederzeit gewährleistet bleiben und dem Geschäftsinteresse Microsofts vorgezogen werden.

  • Die Nutzung der in den Hyperscalern anfallenden Abwärme ist für uns aus klimaschützenden Gründen ebenfalls alternativlos. Die diffusen Absichtserklärungen des zuständigen Bundesministeriums hierzu sind aus unserer Sicht noch zu diffus bzw. unverbindlich. [iv] Andererseits fehlt es gerade in Rhein-Erft mit Blick auf die Nutzung der Abwärme aus den geplanten drei Rechenzentren an einer vom Kreis koordinierten interkommunalen Wärmeplanung im Konvoi-Verfahren. [v]

  • Der geplante Einsatz von geschlossenen Kühlwassersystemen statt der bislang üblichen Verdunstungsanlagen ist alternativlos. Zum Einsatz kommen darf anstelle von frischem Trinkwasser in diesem geschlossenen Kühlwassersystem nur wiederaufbereitetes Wasser, wie es derzeit in den USA an den Hyperscaler-Standorten Phoenix, Arizona, Mt. Pleasant und Wisconsin im Rahmen eines Pilotversuchs getestet wird.

 


[i] Vgl.: Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, 2026, Rechenzentrumsstrategie, S. 18 zur Problematik der sicheren Energieversorgung diplomatisch bis ausweichend lavierend: „Betreiber von Rechenzentren in Deutschland müssen nach § 11 Absatz 5 Energieeffizienzgesetz ihren Strombedarf bilanziell ab dem 01.01.2024 zu 50 Prozent und ab dem 01.01.2027 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Neben dem marktlichen Bezug von Strom aus dem Netz ist Eigenerzeugung von erneuerbaren Energien für Rechenzentrumsbetreiber eine Option, die wir stärken wollen. In der Wirtschaft gibt es die Bestrebung bei begrenzten Netzanschlusskapazitäten teilweise auch eine Energieversorgung auf fossiler Basis zu nutzen. Vor diesem Hintergrund wird die Bundesregierung einen Dialogprozess aufsetzen zwischen Rechenzentrums- sowie Energiebranche. In diesem Dialogprozess sollten langfristige PPA-Modelle, regionale EE-Kopplung und systemdienliche Eigenversorgung mit dem Ziel adressiert werden, einen investitionsfreundlichen, jedoch zugleich wirksamen Nachhaltigkeitsrahmen zu entwickeln.“

[ii] Vgl. Drs. 30/2025 1. Ergänzung. 

[iii] Vgl. Kapitel 5.

[iv] Vgl.: Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung, 2026, Rechenzentrumsstrategie, S. 19: „Die Bundesregierung hat bereits in der vergangenen Legislaturperiode mit dem Wärmeplanungsgesetz die kommunale Wärmeplanung verpflichtend flächendeckend eingeführt; dies kann zukünftig eine Einbindung der Abwärme von Rechenzentren in die lokale Wärmeversorgung erleichtern. (…) Da die Abwärme zudem einen ungewollten Nebeneffekt des Betriebs eines Rechenzentrums darstellt, sind viele Betreiber bereit, ihre Abwärme kostenlos oder zu den Selbstkosten an Wärmenetzbetreiber oder kommunale Infrastrukturen abzugeben. Allerdings fallen auf die Abgabe Steuern an, auch wenn diese unentgeltlich erfolgen soll. Dies stellt ein häufiges finanzielles Hemmnis für die Realisierung von Abwärmenutzungsprojekten dar. Die Bundesregierung wird sich daher bei der Europäischen Kommission dafür einsetzen, gemeinsam nach Möglichkeiten zu suchen, um die kostenlose Abgabe von Abwärme steuerfrei rechtlich zu ermöglichen.“

[v] Vgl. zur Befürwortung einer interkommunalen Wärmeplanung in diesem Zusammenhang a.a.O., siehe Anm. [iv],  S. 23 sowie unsere Anfrage KT Rhein-Erft-Kreis Drs. 189/2026, 1. Ergänzung.

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