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Rolle der Hyperscaler-Ansiedlung im Strukturwandel – Beschäftigungseffekte

Thomas Ristow

Mit dem geplanten Ende der Kohleverstromung werden im Rheinischen Revier bis 2030 14.400 direkte Arbeitsplätze und 7.100 Stellen bei spezialisierten Vorleistungs- und Zuliefererbranchen wegfallen. Somit hängen 21.000 Arbeitsplätze und eine Wertschöpfung von rund 2,1 Milliarden € p.a. von der Braunkohleverstromung ab. Hinzukommen überregionale Effekte durch den aus Klima-Gesichtspunkten längst überfälligen Schluss mit der nur scheinbar kostengünstigen Lieferung von Energie aus Braunkohle für die energieintensive Industrie. Es drohen also Arbeitsplatzverluste, Kaufkraftverluste und Deindustrialisierung.[i] Der Bau der Hyperscaler-Rechenzentren mutet einigen nun wie ein entzündetes Leuchtfeuer an, das die Kohleschaufel in Glasfaserleitungen und High-Speed-Server umwandelt. Wir glauben, dass die Rechenzentren nur einen geringen Beitrag zu einem gelingenden Strukturwandel hinsichtlich der zu erzielenden notwendigen Beschäftigungseffekte leisten können.

1. Während der Bauphase wird mit dem Einsatz von ca. 400 Bauarbeiter:innen je Hyperscaler als temporärer Beschäftigungseffekt gerechnet.

2. Die mit dem direkten Betrieb und der Instandhaltung der Technologie verbundenen dauerhaften Beschäftigungseffekte nach der Bauphase finden sich als direkte und indirekte Arbeitsplätze in folgenden Branchen:

  • Festangestellte von Microsoft für den Hyperscaler im Schichtbetrieb,

  • Stromanbieter, die Anlagen für erneuerbare Energie und deren Speicherung betreiben, um die enormen Energieumsatz absichern zu können,

  • Klimatechnikunternehmen für Kühlung und Abwärmenutzung,

  • Telekommunikationsunternehmen, die die Glasfaserinfrastruktur und Datenknotenpunktanbindung sicherstellen,

  • Hardware- und IT-Unterstützungslieferanten für den ständigen Austausch von veralteten Anlagenbestandteilen,

  • Sicherheits- und Reinigungsfirmen zur physischen Überwachung der Anlage hinsichtlich Sabotage, Überhitzung und Ausfällen,

  • Catering- und Kantinenpersonal.

Sie werden mit 50 – 150 Personen insgesamt vor Ort je Hyperscaler etwa aufgrund einer stark variablen Faustformel auf der Basis der MW-Leistung des Hyperscalers angegeben.

3. Für induzierte Arbeitsplätze wird für die Betriebsphase damit gerechnet, dass für jeden Arbeitsplatz in einem Rechenzentrum 3,5 zusätzliche Arbeitsplätze im übrigen Teil der Wirtschaft, wie im Einzelhandel, Restaurantbetrieben, ärztliche Versorgungseinrichtungen usw., geschaffen werden.[ii] Demnach wären in Rhein-Erft bei den 3 geplanten Rechenzentren mit jeweils erwarteten 50 Arbeitsplätzen je Hyperscaler ca. 175 induzierte Arbeitsplätze in der lokalen Wirtschaft je Rechenzentrum zu erwarten. Der Effekt tritt aber nur ein, wenn die Kommunen der Ansiedlung die weiche Infrastruktur in Form von bezahlbarem Wohnraum, zuverlässigem ÖPNV usw. vorhalten, sodass die beim Hyperscaler selbst Beschäftigten sich in den Kommunen überhaupt ansiedeln und ihr Geld tatsächlich vor Ort ausgeben. Darüber hinaus gibt es Mitnahmeeffekte in den schon vorhandenen Betrieben, sodass nicht zwangsweise neue Arbeitsplatz-schaffende Betriebe zur Versorgung entstehen müssten angesichts der geringen Zahl von 50 Beschäftigten pro Anlage.

4. In dem geplanten Digitalpark im Umfeld als drittem Datenstrukturelement neben Hyperscaler und Datendrehkreuz wird die Ansiedlung von Unternehmen erwartet, die in Nähe der Anlage und des Datendrehkreuzes wegen der bevorzugten geringeren Übertragungszeit spezielle Dienstleistungen für den Cloud-Betrieb anbieten können:

  • Co-Lokationsrechenzentren, die in Symbiose mit den Hyperscalern in der Nähe Unterrechenzentren anbieten, die passgenau für Kund:innen arbeiten,

  • Beratungsfirmen, die Nutzer:innen bei der Überführung von Daten in die Cloud unterstützen,

  • KI-Start-ups und Unternehmen, die die Rechenleistung des Hyperscalers für KI-Anwendungsentwicklung und -training nutzen,

  • Unternehmen aus den Branchen Finanz- und Versicherungswirtschaft, Medizintechnik, Medien, Gaming, autonomes Fahren oder Logistik

Daraus sollen sich Beschäftigungseffekte von bis zu 2500 Arbeitsplätzen zusätzlich zu den direkten und indirekten sowie induzierten Arbeitsplätzen ergeben können.

Fazit: Wir kritisieren diese Erwartungen von Tausenden neuen Arbeitsplätzen im geplanten Digitalpark in Niederaußem als höchst spekulativ. Diese Zahl basiert auf dem Gutachten Masterplan Digitalparks im Rhein-Kreis Neuss und im Rhein-Erft-Kreis (2024), welches sich stark auf die Machbarkeitsstudie des Landesministeriums für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie NRW (2021) bezieht. Die arbeitet mit einer Input-Output-Rechnung, die in ökonomischen Untersuchungen zwar öfter methodischer Standard, aber eben nur eine prognostische Raterei ist. Wir glauben, dass die Rechenzentren einen Beitrag zum gelingenden Strukturwandel leisten können. Das aber nur in begrenztem Maße und auch nicht „richtungsweisend“.

 


[i] Zur Thematik Wirtschafts- und Strukturprogramm zur Bewältigung des Strukturwandels im Rheinischen Revier Drs. 18/9134 LT NRW; IW-Consult, 2021, Wertschöpfungs- und Beschäftigungseffekte der Strukturförderung im Rheinischen Revier.

[ii] Vgl. hierzu z.B. Virginia Data Center Reports 2024.

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