Stellungnahme zur geplanten Microsoft Großrechenzentren-Erweiterung
Aktuell ist bekanntgemacht worden, dass das Unternehmen Microsoft nicht nur in Bergheim und Bedburg, sondern auch an einem dritten Standort in Elsdorf ein drittes Groß-Rechenzentrum errichten wird. Mit der öffentlichen Bekanntgabe der Investitionspläne des Unternehmens im Rhein-Erft-Kreis am 15.02.2024 hatte die Linksfraktion im Kreistag schon Kritik und Bedenken geäußert. Nach wie vor ungeklärt sind die Fragen nach
Umfang und der Qualität der entstehenden direkten und indirekten Arbeitsplätze in der Region und damit dem erforderlichen Beitrag zur Schaffung neuer Arbeitsplätze im Rahmen des Strukturwandels, denn die avisierten 2500 – 5000 Arbeitsplätze in der Region sind schlicht unrealistisch, handelt es sich doch um Räume für Vernetzung von Hardware und nicht um Büro- oder Produktionsräume,
Sicherstellung der benötigten CO2-neutralen Energie für die nunmehr 3 Anlagen – vermutlich mit einem Gesamtverbrauch von 3 TW/Jahr, was dem Stromverbrauch von 1.000.000 2-Personen-Haushalten entspräche – auch hinsichtlich der notwendigen Digitalisierung des bestehenden Stromnetzes, insbesondere der bislang fehlenden Speicherkapazitäten, nachdem das Pumpspeicherkraftwerk-Projekt nicht mehr weiterverfolgt wird, auch um die Versorgungssicherheit der Haushalte in Rhein-Erft nicht zu gefährden,
Umfang der möglichen Steuereinnahmen für die Kommunen und den Kreis, denn Microsoft verschiebt seine vor Ort erwirtschafteten Gewinne oft ins Niedrigsteuerland Irland,
Nutzung der entstehenden Abwärme – so wird etwa in Finnland die Abwärme von zwei neuen Rechenzentren genutzt, um im Winter mehr als 250.000 Haushalte mit Wärme zu versorgen,[1]
Wasserverbrauch der geplanten Groß-Rechenzentren – geplant sind wohl geschlossene Wasserkreisläufe zur Kühlung statt der wasserintensiven Verdunstungskühlwassersysteme.
Zu kritisieren bleibt auch der Verbrauch von ca. 60-70 ha landwirtschaftlich nutzbarer Flächen statt der Nutzung von „vorbelasteten oder durch den Kohleausstieg freiwerdenden Flächen“, wie der BUND zu Recht forderte.[2] Hier wäre ein Ausgleich zu schaffen. Hierzu sollte Anfang März 2025 eine BUND-Petition mit immerhin fast 80.000 Unterschriften dem Konzern überreicht werden, der die Annahme aber verweigerte. Dies zeigt auf, dass Benken der Bürger:innen in unserer Region bestehen und dass es notwendig ist, diese endlich ernst zu nehmen.
Grundsätzlich bleibt als Haupteinwand, dass mit dieser Ansiedlung die bestehende Abhängigkeit von Microsoft in Verwaltung und Wirtschaft, auch an unseren Schulen noch weiter verstärkt wird.
Die Linke lehnt diese Ansiedlungen daher ab und wünscht sich stattdessen europäische Alternativen für Cloudlösungen und eine demokratische Kontrolle der großen Tech-Konzerne, damit digitale Souveränität nicht ein bloßes Wort bleibt.
05. März 2026
Thomas Ristow
[1] Vgl. Micosoft, Cloud-Rechenzentren setzen auf erneuerbare Energie, 23. November 2022
[2] Vgl. BUND, Stoppt den Flächenfraß im Rheinischen Revier
